SPD Kornwestheim

 

Es fährt kein Zug mehr nach Narbonne

Veröffentlicht in Presseecho

Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung
vom 10.08.2007
Bahn stellt den Autozug-Verkehr ab Kornwestheim ein - Stadt interessiert sich für Gelände des Verladebahnhofs

Kornwestheim. Reisen per Autozug von Kornwestheim nach Sylt oder Narbonne gehören bald der Vergangenheit an: Die Bahn gibt den Verlade-Terminal an der Eastleighstraße auf. Das Gebäude soll verkauft werden - so wie zahlreiche andere Bahnhöfe im Land.

Von Gaby Mayer-Grum

Bereits zum nächsten Fahrplanwechsel wird der Autoreisezug-Verkehr ab Kornwestheim eingestellt. Das heißt: Ab Oktober gibt es für Reisende im Großraum Stuttgart keine Möglichkeit mehr, ihre Fahrzeuge auf Züge verladen zu lassen. Sie müssen auf Verladestationen in Lörrach, Neu-Isenburg oder München ausweichen, erklärt Dagmar Kothe von der DB Autozug GmbH. Das Tochterunternehmen der Bahn AG ist für die Beförderung von Autos per Bahn zuständig. Ein Angebot, das von Kornwestheim aus vor allem Urlauber in Anspruch nehmen. Sie lassen am Terminal neben dem Personenbahnhof ihre Fahrzeuge auf den Zug verladen, um sich selbst als Passagiere entspannt zum Ferienort chauffieren zu lassen. Züge, die in Kornwestheim starten, fahren zweimal wöchentlich nach Niebüll und Westerland und einmal pro Woche nach Rostock und Sassnitz sowie ins französische Narbonne.

Obwohl die Züge "in der Saison gut ausgelastet sind", wie Dagmar Kothe erklärt, soll der Betrieb in Kornwestheim eingestellt werden: "Das hat rein wirtschaftliche Gründe." Ein Großteil des Wagenmaterials der DB Autozug GmbH sei zu alt und müsse ausrangiert werden. Deshalb stünden nicht mehr ausreichend Wagen für alle Verladebahnhöfe zur Verfügung. Geld für neue Züge gibt es nicht. Kothe: "Das gibt der Konzern derzeit nicht frei."

Ist der Autozug-Verkehr erst einmal eingestellt, benötigt die Bahn auch das Gebäude nicht mehr, in dem sich derzeit unter anderem ein Warteraum für die Reisenden befindet. Es steht daher - ebenso wie weitere 191 Bahnhof-Gebäude im Land - zum Verkauf. Handelt es sich bei den meisten dieser Immobilien um Empfangsgebäude mit Service-Center der Bahn, Geschäften oder einem Kiosk, ist in Kornwestheim lediglich der Autozug-Terminal vom Verkauf betroffen. "Das Empfangsgebäude gehört ja schon nicht mehr der Bahn", sagt Bahn-Sprecher Reinhold Willing, das Unternehmen habe sich mit seinem Reisebüro dort lediglich eingemietet. Schon lange verkauft ist auch das alte Bahnhofsgebäude auf der Westseite der Gleisanlagen: Es ist im Besitz der Stadt Kornwestheim.

Die wäre auch einem Kauf des Autozug-Terminals nicht abgeneigt, sagt Bürgermeister Michael Köpple auf Anfrage unserer Zeitung. "Das nehmen wir gerne." Allerdings: Noch interessanter als das eigentliche Gebäude ist für die Stadt das gesamte Areal, auf dem bislang die Reisenden auf das Verladen ihrer Fahrzeuge warten und das von der Bahn als Parkplatz genutzt wird, wenn keine Autozüge abgefertigt werden. "Die Fläche wäre für die Stadtentwicklung sehr wertvoll", sagt der Bürgermeister, dem entlang der Gleisanlagen eine "Erweiterung des Geschäftszentrums in der Innenstadt" vorschwebt. In den kommenden Wochen will die Stadt prüfen, wie das Areal konkret genutzt werden könnte.

Für die Bahn AG kommt es durchaus in Frage, das gesamte Areal und nicht nur das Abfertigungsgebäude zu verkaufen, sagt der Sprecher Reinhold Willing, "vorausgesetzt, die Fläche ist für den Bahnbetrieb nicht notwendig".

Aktualisiert: 10.08.2007, 06:05 Uhr

 

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Wie ich von der Bahn erfahren habe wird auch das Terminal in Neu Isenburg geschlossen. Eine gute Reisealternative ist durch die Privatisierung der Bahn zum Scheitern verurteilt.

Autor: Rudolf Benz, Datum: 17.09.2007


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