Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung
vom 05.05.2007
Wohnwärme aus der Tiefe
Im Wohnpark Neckarstraße entsteht Kornwestheims erstes Wohnbauprojekt mit Geothermie
Kornwestheim. "Die Zeit ist einfach reif", findet Peter Söntges, Geschäftsführer der Wüstenrot Haus- und Städtebau, wenn er von Wohnbauprojekten mit Erdwärme spricht. Im Wohnpark Neckarstraße wird jetzt erstmals Wohnen mit geothermischer Energienutzung möglich.
Von Susanne Mathes
"Ehrlich gesagt: Wir selbst hatten für das Projekt eigentlich gar nicht an Erdwärme gedacht", meinte Söntges gestern beim symbolischen Bohrbeginn Ecke Elsterstraße und Weißenfelser Ring. "Herr Köpple ist auf uns zugegangen und hat gefragt, ob das nicht eine Option wäre." Die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH entschied daraufhin: Ja, das ist eine Option. Angesichts steigender Energie- und Rohstoffpreise sei der Einsatz alternativer Energiequellen angebracht.
"Früher hat man diese Ideen belächelt, aber heutzutage sind solche zukunftsweisenden Technologien sogar Wirtschaftstreiber", sagte Peter Söntges. Die Vorteile der Geothermie lägen auf der Hand: Experten schätzten, dass pro Haushalt an die 50 Prozent der Verbrauchskosten eingespart werden könnten. Auch werde durch die Reduzierung der Emissionen ein gewichtiger Beitrag zum Schutz der Umwelt geleistet.
In Kornwestheim ist mit der Spedition Panalpina ein Vorreiter in Sachen Geothermie ansässig. "Ein Vorzeigeprojekt, bei dem die Geothermie nicht nur zum Beheizen, sondern auch zur Kühlung verwendet wird", wie Bürgermeister Michael Köpple gestern hervorhob. Diesem richtungsweisenden Ansatz auch im privaten Wohnbau nachzueifern, sei ihm ein Anliegen, bekräftigte Köpple. "Ich bin dankbar, dass es jetzt dazu gekommen ist."
Zwei Mehrfamilienhäuser mit 29 Eigentumswohnungen, die noch im Jahr 2007 fertig sein sollen, werden zukünftig ausschließlich durch die oberflächennahe Geothermie mit Wärme und warmem Wasser versorgt. Ober- und unterirdische Wärmetauscher entziehen der von der Sonne aufgeheizten Erdkruste Wärme, die in Energie in Form von Wärme für Heizung und Warmwasser getauscht wird. An die Oberfläche gefördert wird die Wärme mittels Erdwärmesonden - beim Kornwestheimer Vorhaben sind das 20 Sonden, die bis in 110 Meter Tiefe reichen, wie Geologin Dr. Simone Walker-Hertkorn vom Planungsbüro für Erdwärmesysteme Systherma gestern beim Ortstermin berichtete. Die Sonden befinden sich nicht unter dem Mehrfamilienhaus, sondern sind um das Haus herum platziert - "das ist energetisch sinnvoller", erklärte die Expertin. Was übrigens auch der Parkplatzfrage dienlich ist: "Andernfalls hätten wir ein Problem mit der Tiefgarage bekommen", sagte Architekt Thomas Herrmann vom Stuttgarter Büro ARS Herrmann + Hornung, das für den Bau verantwortlich zeichnet.
Nicht nur in Sachen Umweltfreundlichkeit, sondern auch in Sachen Optik seien die beiden Häuser herausragend, befand Bürgermeister Köpple. Damit setze die Wüstenrot Haus- und Städtebau einen hochwertigen Schlusspunkt bei den Mehrfamilienhäusern im Wohnpark Neckarstraße. "Wer sich jetzt noch für Wohneigentum in diesem Bereich interessiert, für den wird"s langsam knapp", sagte der Bürgermeister. Ihn freut es, dass der Wohnpark Neckarstraße auf so gute Resonanz stößt - und dass es vor allem Kornwestheimer sind, die sich dort niederlassen. "Das war anfangs nicht abzusehen."
Auch von den 29 Wohnungen in den beiden Geothermie-Häusern, die zwischen 60 und 150 Quadratmeter groß sind, ist bereits ein Drittel verkauft. Eine Dreizimmerwohnung mit 76 Quadratmetern ist dort beispielsweise für rund 180 000 Euro zu haben. "Die Wohnungen sind zwar im Durchschnitt 4000 bis 6000 Euro teurer als Wohnungen mit herkömmlichem Energiekonzept", sagte Peter Söntges, "aber diese Kosten werden durch die Einsparungen sicher um ein Vielfaches wettgemacht."
Aktualisiert: 05.05.2007, 06:08 Uhr