SPD Kornwestheim

 

"Kultur im Karree - das macht Sinn"

Veröffentlicht in Presseecho

Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung
vom 14.08.2007

SOMMERINTERVIEW Der SPD-Fraktionsvorsitzende Siegbert Hörer im Gespräch

Kornwestheim. Es waren spannende Wochen in der Kornwestheimer Kommunalpolitik. Zunächst die Oberbürgermeisterwahl, dann eine Reihe von Sitzungen mit umfangreichen Tagesordnungen. Nun ist Sommerpause - und die nutzen wir, um uns mit den Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktion im Sommerinterview über Gewesenes und Zukünftiges zu unterhalten. Mit Siegbert Hörer von der SPD hat sich Redaktionsleiter Werner Waldner unterhalten.

Herr Hörer, vieles in Kornwestheim ist im Wandel begriffen - in der Politik und im Sport. Lassen Sie uns mit dem Sport beginnen. Es wird keinen Zweitligahandball mehr in Kornwestheim, aber auch nicht in Ludwigsburg und in Stuttgart geben. Erfüllt Sie das Ende mit Enttäuschung?

Es hat mir sogar sehr wehgetan. Ich hatte nicht damit gerechnet. Meiner Einschätzung nach sind Fehler von beiden Seiten gemacht worden - vonseiten des Vereins, aber auch vonseiten der Stadt Stuttgart.

Was für Fehler?

Wenn man sich in diesen Größenordnungen bewegt, dann kann es nicht sein, dass ein Handschlag gelten soll. Dann müssen Verträge geschlossen werden.

Hat die Stadt Kornwestheim in der Vergangenheit etwas versäumt? Hätte sie die Handballer gar nicht erst ziehen lassen dürfen?

Die Stadt Kornwestheim hatte die Möglichkeit, dem Sport zu helfen. Die Probleme lagen wohl eher aufseiten des Sports. Dort war man sich nicht einig, wer was bekommt und wie viel. Und das hat möglicherweise auch Sponsoren abgeschreckt. Die Stadt muss sich nun überlegen, wer als Imageträger für Kornwestheim fungieren kann. Ein nach außen wirkender Verein kann durchaus für eine Stadt Gutes bewirken. Da gilt es jetzt, mittelfristig eine Förderung aufzubauen - zusammen mit den Dachverbänden.

Glauben Sie, dass sich der Stadtausschuss für Sport und Kultur und der Stadtverband für Sport auf einen gemeinsamen Imageträger verständigen können?

Es wird schwierig werden. Aber es ist zu schaffen, wenn man es sich zum Ziel macht, dass die Stadt glänzt - und nicht ein Verein oder eine Person.

Was kann die Kommunalpolitik vom Niedergang des Handballs lernen?

Die Kommunalpolitik lernt insbesondere eines: Der Hochmut kommt vor dem Fall.

Nicht nur der Handball ist Kornwestheim abhandengekommen, die Kultur könnte auch verloren gehen, weil sie seit einem Jahr kein Zuhause mehr hat. Seit einem Jahr ist das Kulturhaus geschlossen, und nichts ist passiert. Das kann Sie als Gemeinderat doch nicht zufriedenstellen.

Der Stillstand hat in den Köpfen einiges bewirkt. Es wäre sicherlich möglich gewesen, den Altbau schnell zu sanieren. Aber der Gemeinderat hat immer wieder den Blick auf die Frage gelenkt, was wir überhaupt benötigen. Brauchen wir ein riesiges Theater? Brauchen wir einen großen Festsaal? Was brauchen wir an Nebenräumen? Wir haben diese Fragen gestellt, aber die Antworten kamen erst nach mehrfachen Anmahnungen auf den Tisch. Zahlen liegen jetzt vor - und sie sind eine gute Grundlage für die zu treffenden Entscheidungen.

Diese Fragen sind aber erst spät gestellt worden.

Als die Asbestbelastung bekanntgeworden ist, herrschte Panik. Nackte Panik. Wir wollten ganz schnell das Kulturhaus wieder öffnen, weil es fehlte. Wir haben keine gute Stube in Kornwestheim. Im Laufe der Zeit hat sich aber dann doch einiges entwickelt. Ich denke an die Open-Air-Veranstaltung der Städtischen Orchester im Stadtgarten, ich denke an die Veranstaltungen in Pattonville. Das zeigt: Wir können die Zeit überbrücken, und wir können jetzt neue Konzeptionen entwickeln.

Hat die SPD schon Vorstellungen, wie es weitergehen soll?

Wir wollen ein Haus für die Zukunft. Die Idee, Kulturhaus und Stadtbücherei gemeinsam neu zu bauen, hat ihren Reiz. Die Bücherei am Stadtgarten ist zwar ganz kuschelig, aber sie hat in dem vorhandenen Gebäude keine Zukunft. Wir müssen in der Bücherei die Aufenthaltsqualität verbessern, das Angebot muss erweitert werden. Wenn es uns gelingt, das in einem Neubau zu verwirklichen, dann geht die SPD mit. Wir hätten zusammen mit der Galerie und dem Haus der Musik dann Kultur im Karree - das macht Sinn.

Geld spielt keine Rolle?

Die Finanzierung gilt es gut anzugehen. Aber wir dürfen nicht übersehen: Wenn wir das Kulturhaus sanieren, dann hat es immer noch einen Makel. Wenn man über die Schwelle geht, denkt man immer an den Asbest. Da mag das Haus noch so gut saniert und gereinigt worden sein. Die Berührungsängste bleiben. Und wir hätten weiterhin ein altes Haus, das auf einem Kino aufgebaut worden ist. Die SPD hat sich damals schon dafür ausgesprochen, das Lichtspielhaus abzureißen und ein Bürgerhaus zu errichten.

Ob Sanierung oder Neubau: Es wird viel Geld kosten. Viel Geld, nämlich 6,5 Millionen Euro, soll ein neues Holzheizkraftwerk fürs Wohngebiet Ost kosten, und die gleiche Summe ist noch einmal für die Umsiedlung der Stadtgärtnerei und den Neubau des Bauhofs veranschlagt worden. Hat die Stadt eine kräftig sprudelnde Geldquelle aufgetan und es ihren Bürgern verheimlicht?

Nein. Diese Projekte werden nicht alle auf einen Schlag verwirklicht, sondern nach und nach. Oberste Priorität haben sicherlich das Kulturhaus und die Bücherei. Das Holzheizkraftwerk wird mit Hilfe der Stadtwerke finanziert. Es ist sicherlich richtig: Es gibt eine Reihe von Projekten, die auf Kornwestheim zukommen. Aber so arm sind wir ja auch nicht. Wir reden uns selber gerne ein bisschen arm. Die Verschuldung ist niedrig, und auf dem Grundstücksmarkt können wir auch noch einiges erlösen. Und wenn ich ein Ziel oder ein Projekt habe: Warum soll ich für erforderliche Infrastruktureinrichtungen nicht einmal in die Verschuldung gehen?

Die Innenstadt scheint mit dem Kulturhaus gemeinsam zu haben, dass es auch dort nicht weitergeht.

Es ist halt beschwerlich, weil wir Investoren benötigen. Und die Zahl der Baustellen, die sich auftun, wächst: Das Problem Wettecenter harrt einer Lösung, und seit wenigen Tagen wissen wir, dass sich auch am Bahnhof etwas tun muss, weil der Autoreisezug nicht mehr in Kornwestheim halten wird. Für dieses Terrain gibt es uralte Pläne für ein Einkaufszentrum. Wir werden immer eingeholt von Fehlern, die wir vor zehn, 15 Jahren gemacht haben, und kommen deshalb nicht vorwärts.

Ein Einkaufszentrum am Bahnhof: Würde damit nicht die ohnehin schon zu groß geratene Innenstadt noch vergrößert werden?

Ich habe auch meine Bedenken. Andererseits darf man nicht übersehen, dass es dem Holzgrundareal an Platz für Parkplätze mangelt. Den könnten wir aber auf dem Areal am Bahnhof und an der Eastleighstraße darstellen.

Glauben Sie, dass sich je etwas ändern wird in der Innenstadt?

Ich bin gar nicht so pessimistisch. Bei den Schritten handelt es sich zwar um Trippelschritte, aber wir bewegen uns vorwärts. Es geht halt nicht so schnell. Meine Prognose lautete bisher: In zehn Jahren haben wir den Umbau der Innenstadt abgeschlossen. Ich würde die Prognose jetzt auf 15, 20 Jahre aufstocken.

Noch schneller als von vielen befürchtet scheint eine Verkehrslawine auf Kornwestheim zuzurollen. Wie viele Sorgen bereitet Ihnen das?

Der Verkehr wird uns gewaltig beschäftigen. Wir müssen bei diesem Thema über unsere Gemarkungsgrenzen hinausdenken. Wir brauchen Modelle, die zusammen mit der Region entwickelt werden. Was wir in Kornwestheim tun müssen, ist, den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt herauszubekommen. Das können wir schaffen, wenn wir den GdF-Knoten und das Nadelöhr im Domertal ein wenig öffnen.

Dass sich Städte gütlich auf eine Verkehrsführung einigen, das ist bei den ganz unterschiedlichen Interessen doch eigentlich ausgeschlossen.

Wir müssen uns einigen, und das ist unsere Pflicht. Die Federführung muss die Region Stuttgart übernehmen. Ich halte es für möglich, den Verkehr über die bestehenden Straßen zu führen - wenn sie entsprechend ausgebaut werden, auch die Neckarbrücke in Remseck, und wenn wir uns mehr im öffentlichen Personennahverkehr engagieren.

Sie machen sich mit Ihrem Vorschlag, die Neckarbrücke in Neckarrems auszubauen, gerade vermutlich keine Freunde in der Nachbarstadt.

Aber das Modell, eine zweite Brücke neben der vorhandenen zu errichten, macht Sinn. Und es gibt in Remseck starke Stimmen, die sich für diese Pläne aussprechen. Wir in Kornwestheim müssen es hinbekommen, dass wir von der Aldinger Straße aus eine bessere Zufahrt auf die Bundesstraße 27 verwirklichen. Das ist das Nadelöhr, das in unsere Zuständigkeit fällt. Wir dürfen uns auf jeden Fall nicht in unser Schneckenhaus verkriechen. Wir müssen an dem Tisch sitzen, an dem über die Verkehrsführung gesprochen wird, und mitverhandeln und -beeinflussen. Stur Nein sagen - das hat noch nie was gebracht.

Seit der vergangenen Woche hat Kornwestheim ein neues Stadtoberhaupt. Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der Oberbürgermeisterin?

Die Frau hat, so wie ich sie kennengelernt habe, ein ungeheures Fingerspitzengefühl. Sie kann mit Menschen umgehen, sie kann sie begeistern, und sie hat Durchsetzungsvermögen. Wichtig ist, dass sie zunächst einmal das Rathaus für sich gewinnt, dass sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überzeugt, dass man mit ihr geschirren kann. Das ist das A und O. Sie hat meine Unterstützung.

Dass an der Spitze der Verwaltung eine Frau steht, wird das die Stadt verändern?

Kornwestheim war reif für eine Frau. Das hat der Wähler auch erkannt. Wobei das Frausein allein nicht entscheidend ist, sondern die Frau mit ihren Ideen, mit ihrem Stil. Der Wähler hat erkannt, dass diese Frau zu uns passen könnte.

Bürgermeister Köpple hat in der Begrüßung von Frau Keck deutlich gesagt, dass die Verwaltung in Sachen Arbeitsbelastung an der Schmerzgrenze angelangt ist. Wird der Gemeinderat das Personal aufstocken?

Wir müssen Aufgaben neu verteilen, besser verzahnen, die Verwaltungsstruktur neu ordnen. Frau Keck wird das sicherlich angehen, aber dafür benötigt sie Zeit.

Kornwestheim befindet sich im Wandel. Gedenkt die SPD, sich neu aufzustellen?

Wir sind dabei. Auch wir wollen einen Neuanfang, wollen der Zukunft Rechnung tragen. Wir wollen nicht mehr in verrauchten Hinterzimmern agieren, sondern wir wollen raus, zu den Menschen, an die Probleme, an die Sorgen ran. Wir werden das im zweiten Halbjahr präsentieren. Fraktion und Partei werden enger zusammenrücken. Aber wir wissen auch: Parteiarbeit ist in einer so kleinen Einheit wie Kornwestheim nicht unbedingt gefragt. Hier geht"s um die Menschen und ihre Probleme.

Aktualisiert: 14.08.2007, 06:06 Uhr

 

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