SPD Kornwestheim

 

"Eine pädagogische Mogelpackung"

Veröffentlicht in Presseecho

Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung
vom 27.06.2007

NACHGEFRAGT

Fragen von Stefanie Köhler

Roland Bertet ist Schulleiter der Uhlandschule. Die geplante Initiative der Landesregierung, an Hauptschulen künftig pädagogische Assistenten statt Lehrer einzusetzen, stößt bei ihm auf Unverständnis.

Herr Dr. Bertet, was halten Sie von den Reformvorschlägen des baden-württembergischen Kultusministers Helmut Rau?

Überhaupt nichts. Für mich ist der Einsatz der Schulassistenten eine pädagogische Mogelpackung, eine Karikatur dessen, was wir in Wirklichkeit brauchen und fordern. Selbst bei einer systemimmanenten Betrachtung der Hauptschule kann diese Maßnahme keine internen Verbesserungen erzielen. Die Arbeit der Lehrer kann nur durch eine Veränderung der Rahmenbedingungen erleichtert werden, wie die Senkung des Klassenteilers und die damit verbundene Neueinstellung von Lehrern. Diese Maßnahme ist ein Sparmodell. Bildungspolitische Notwendigkeiten fallen dem Diktat der Sanierung der Landesfinanzen zum Opfer. Wenn etwa 1000 Schulen in den ,Genuss" von Schulassistenten kommen können, aber nur 300 Stellen finanziert werden, frage ich mich, wo der flächendeckende Vorteil dieser bildungspolitischen Kosmetik liegen soll. Wer die Schulen stärken will, muss andere Wege gehen.

Wie können diese Wege zur Stärkung der Hauptschulen dann Ihrer Meinung nach aussehen?

Vor allen Dingen muss das dreigliedrige Schulsystem abgeschafft werden, es ist antiquiert und nicht an den Bedürfnissen einer modernen Bildungslandschaft orientiert. Wir brauchen ein System, das allen Schülern gerecht wird. Dieses muss allerdings aus der Praxis heraus entstehen. Die Abschaffung der Dreigliedrigkeit ist aber meines Erachtens - wenn ich die politische Landschaft betrachte - eine realitätsferne Vision. Trotzdem muss diese Vision auf allen politischen Ebenen weiter verfolgt werden. Parallel dazu müssen wir aber versuchen, den aktuellen Schülern Rahmenbedingungen anzubieten, die in der Hauptschule die Ausbildungsfähigkeit deutlich erhöhen. Es wäre wichtig, kleinere Klassen zu bilden mit höchstens 20 Schülern. Dafür wären wiederum mehr Lehrereinstellungen notwendig. Pädagogen an Hauptschulen sind höheren Belastungen ausgesetzt, leisten die meisten Stunden und werden schlechter bezahlt als Realschul- und Gymnasiallehrer. Die Lehrer an Hauptschulen benötigen eine zeitgemäße Ausbildung, die sie befähigt, mit schwierigen Klassen umzugehen. Hauptschulen weisen eine hohe Innovationsbereitschaft auf und sind auch bereit, Veränderungen einzugehen, um die Situation an den Schulen zum Wohle der Schüler zu verbessern.

Welche persönliche Unterstützung brauchen die Schülerinnen und Schüler denn in den baden-württembergischen Hauptschulen?

Neben kleineren Klassen wäre es sehr sinnvoll, dass Lehrer mehr Zeit haben, individuelle Beziehungsarbeit zu leisten Eine der wichtigsten Aufgaben der Schule ist es, die Ausbildungsfähigkeit der Schüler zu erhöhen. Nur 15 Prozent eines Jahrganges kommen in das duale System, das heißt in eine Ausbildungssituation. Diesen Wert zu erhöhen, muss eine zentrale Aufgabe des Schule sein. Dazu braucht sie aber entsprechende Rahmenbedingungen und vor allem die nötige personelle Ausstattung.

Also erachten Sie den Einsatz von pädagogischen Assistenten als einen Griff ins Leere?

Stellen Sie sich vor, Sie robben durch die Wüste, haben Hunger und Durst. Dann fällt ein einziger Tropfen Wasser vom Himmel. Nun können Sie es so oder so sehen, ob Ihnen der Tropfen auf Ihrem weiteren Weg etwas nützt, oder ob er ihnen nichts nützt.

Wie ist denn momentan die Situation an der Uhlandschule?

Wir stellen viel Konfliktpotenzial. Hauptschulen gehen aber sehr innovativ mit diesen Problemen um. Was uns fehlt, ist die Akzeptanz der Eltern, ihre Kinder auf die Hauptschule zu schicken, weil sie Angst haben, dass nach dem Hauptschulabschluss kein Anschluss an eine Ausbildungsmöglichkeit mehr besteht. Ich nehme diese Bedenken vieler Eltern sehr ernst.

Aktualisiert: 27.06.2007, 06:05 Uhr

 

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